Diese Schrift ist es wert, weiteste Verbreitung, besonders in jungen Familien, zu finden. In liebevoller Weise hat Edda Schmidt Gedichte, Lieder, kleine Spiele, Sprüche, die sich um das Erntefest ranken, zusammengestellt und mit anschaulichem Bildgut aus früherem Schrifttum bereichert. Wieviele junge Familien, die oftmals noch dem kirchlichen Rahmen verhaftet sind, suchen nach neuen Wegen und werden durch das jahreszeitlich gebundene Brauchtum am ehesten vom Gedankengut unserer nichtchristlichen Ahnen angesprochen. Alle Gefährten und Leser unserer Zeitschrift sollten es sich deshalb angelegen sein lassen, durch zahlreiches Verschenken des Heftes ,,Erntedank" besonders junge Menschen für unseren Artglauben zu gewinnen.
Verf. wertete zahlreiche Quellen aus, macht aber eine Reihe von Fehlern aufgrund vorgefaßter Ansichten. Auch er setzt die 18 Strophen des Runenlieds Odins Runenzeichen parallel und kommt dadurch zu falschen Bedeutungen von Runen. Dazu kommt, daß er nicht voraussetzungslos herangeht, sondern eigene Wertungen einfließen läßt; weil die Germanen angeblich nicht materialistisch gewesen seien, sei die übliche Übersetzung für die Feh-Rune (Vieh, Geld) und die Odal-Rune (Grundeigentum) falsch, die Feh-Rune habe sich hingegen ursprünglich auf Wotan bezogen, die Odal-Rune bedeute nur "geschützter Bezirk". Beides ist natürlich Unsinn; Odal bedeutet "vom Großvater geerbtes Land", wie aus den frühesten nordischen Rechtsquellen deutlich hervorgeht. Ferner interpretiert er vieles fälschlich gestirnsmythologisch: die Burgen der Götter würden verschiedenen Sternbildern entsprechen, entsprechend 13 Monaten habe es jeweils ein Götterpaar gegeben, insgesamt also 26 germanische Gottheiten, der Asen-Wanenkampf sei nicht (wie die Forschung richtig annimmt) ein Abbild der Kämpfe zwischen Schnurkeramikern und Megalitikern, sondern zwischen Nacht und Tag. Er setzt Runen mit dem Tages- und Jahreslauf parallel und spekuliert auch sonst sehr oft. Teilweise gibt er eigene Übersetzungen, die unsinnig sind. Auch in einer Reihe Einzelfragen liegt er falsch, nimmt beispielsweise den Glauben an Inkarnationen bei den Germanen an (selbst in den ältesten indischen Quellen gibt es die Seelenwanderung noch nicht!), interpretiert die Irminsul an den Externsteinen als Dattelpalme und will statt dessen als Bild der Irminsul eine römische Säule mit dem Sonnengott an der Spitze (Sol invictus) den Lesern als Originalbild der Irminsul verkaufen. Erfreulich ist allerdings, daß eine Reihe von Runendenkmälern im Bild wiedergegeben werden. Da insgesamt mehr richtig als falsch in dem Buch ist, eingeschränkt empfehlenswert.
Hans F. K. Günther: "Frömmigkeit nordischer Artung" Verlag Hohe Warte, Pähl 1989, 127 Seiten.Der Rassenforscher Hans F. K. Günther hat aus seiner umfassenden Deutung des Wesens der verschiedenen Rassen Europas, insbesondere der nordischen Rasse, ein Buch "Frömmigkeit nordischer Artung" verfaßt, das 1963 in 6. Auflage erschienen war. Es war seit mehreren Jahren vergriffen. Wegen der großen Bedeutung dieser Schrift sind wir an den Verlag Hohe Warte herangetreten und haben um die Genehmigung zur Herausgabe der 7. Auflage gebeten, wobei wir darauf hinwiesen, daß für diese 7. Auflage gegenüber der 6. Auflage Ergänzungen und Erweiterungen durch Hans F. K. Günther noch kurz vor seinem Tode gemacht worden waren, die bei der englischen Übersetzung seiner Schrift bereits berücksichtigt worden waren. Diese Anfrage veranlaßte den Verlag, sich zur Herausgabe der erweiterten 7. Auflage zu entschließen. Dadurch wurde diese Arbeit wieder verfügbar, deren Bedeutung daraus zu ersehen ist, daß vor einigen Jahren eine italienische Übersetzung und 1987 eine französische Übersetzung erschienen war.
Günther zeigt zunächst einmal, was nordische Frömmigkeit nicht ist, beispielsweise die Herabwürdigung des Leibes, die Abhängigkeit der Frömmigkeit von dem Tode, die Wertung des diesseitigen Lebens als Jammertal. Er zeigt darüber hinaus die übergreifenden religiösen Auffassungen eines nordisch geprägten Indogermanentums auf, wobei es hier zu weit führen würde, die einzelnen und von ihm weitgehend zutreffend gewerteten Erscheinungen darzustellen. Manche Dinge mag man anders sehen als er, beispielsweise seine negative Einschätzung Odins, seine positive Einschätzung Buddhas und manche zeitgeschichtlichen Ausführungen, wobei seine Wertung sicherlich zutreffend ist, daß Marxismus im Osten wie "One World-Zivilisation" im Westen letztlich gleichermaßen auf Einengung und Behinderung, damit aber auf Aussterben eines freiheitlichen, gegen Massengeist immunen Menschentyps gerichtet sind.
Angesichts des Aufschwunges, den zunächst einmal alle Bestrebungen nordischer Art in diesem Jahrhundert genommen hatten, die dann mit der entsetzlichen Gegenauslese des letzten Weltkrieges weitgehend untergingen, gleichermaßen mit dem Verfall höherer Kultur, verwundert es nicht, daß das Werk von einem pessimistischen Grundzug durchzogen ist, nämlich demjenigen, daß letztendlich das Indogermanentum nordischer Art zum Untergang verurteilt sei. Sicherlich gibt es viele Anzeichen dafür; es fehlt in dem Buch aber der Gedanke, daß gerade religiöse Gemeinschaften in der Lage gewesen sind, Jahrhunderte und Jahrtausende zu überdauern (z.B. Parsen, Konfuzianismus), und mithin nordische Art und nordischer Geist auf jeden Fall die Möglichkeit zum Überdauern haben, wenn Menschen nordischer Art zu einer religiösen Gemeinschaft finden. Die Schwierigkeit dabei ist natürlich - auch das erwähnt Günther - der Individualismus des nordischen Menschen, der ihn Gemeinschaften gegenüber eher skeptisch eingestellt sein läßt. Eine Religionsgemeinschaft , die nordische Menschen ansprechen will, muß deshalb dem einzelnen Mitglied ein hohes Maß an Freiheit und Selbstbetätigung bieten, ferner keinen Zwang zur Gemeinschaft, sondern das Angebot, frei an Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen.
Jürgen Rieger
Weitere Literatur:123© 2003 Nordische Zeitung